Dr. med. Jana Engel

ADHS/ADS bei Erwachsenen

ADHS steht für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Hauptmerkmale der ADHS sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität

Was genau ist eigentlich ADHS/ADS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS (ohne Hyperaktivität -  ADS), ist eine Erkrankung, die bei rund 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen auftritt. Es ist eine der häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen. Jedoch sind nicht nur Kinder davon betroffen. Rund 2/3 dieser Kinder haben auch als Erwachsene noch Symptome, die ihr Leben beeinträchtigen und einen starken Leidensdruck hervorrufen.  

Die Hauptsymptome der ADHS sind:

  • Störung der Aufmerksamkeit
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität
  • Desorganisiertheit
  • emotionale Instabilität
  • mangelnde Affektkontrolle
  • Stressintoleranz
  • Affektlabilität

Viele Erwachsene mit ADHS haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit zu fokussieren. Sie sind schnell gelangweilt, haben Probleme, längeren Gesprächen oder Vorträgen zu folgen, lassen sich bereits durch kleine Reize ablenken. Viele haben Schwierigkeiten mit der Zeiteinteilung und der Alltagsorganisation, neigen zu Schusseligkeit und verlieren sich dadurch im Chaos. Sie treffen vorschnelle, übereilte Entscheidungen, ohne die Konsequenzen zu überdenken, unterbrechen ihre Gesprächspartner ungewollt, äußern impulsiv und unbedacht ihre Meinung. 

Der „kindliche Zappelphilipp“ ist bei Erwachsenen nur noch selten anzutreffen.  Die Symptome wandeln sich. Erwachsene Menschen mit ADHS sind rastlos, haben eine ständige Unruhe in sich. Unbewusst suchen Betroffene Berufe, in denen sie stetig aktiv sein können.

Menschen mit ADHS sind ihren Gefühlen sehr stark ausgeliefert. Die Emotionen fahren Achterbahn, von einem Augenblick auf den anderen kippt die Stimmung ohne relevanten Grund von Heiterkeit in Melancholie oder Gereiztheit. Auch auf Stress und Frustration reagieren Betroffene sehr heftig, vor allem Geduld ist ein Thema für sich.

Dadurch kommt es zu wiederholten Konflikten mit dem Umfeld. Die Folge sind weitere psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Schlafstörungen oder Suchterkrankungen. Bei Frauen mit ADHS und ADS zeigen sich die Symptome sehr oft etwas anders, subtiler und versteckter auftreten. Aus diesem Grund sind Frauen mit ADHS häufiger von zusätzlich vorliegenden Depressionen oder Ängsten betroffen.

Heutzutage weiß man, dass ADHS eine neurobiologische Erkrankung ist. Im Gehirn von Erwachsenen mit ADHS sind in den Bereichen für Aufmerksamkeit, Konzentration, Planung von Handlungen und Abläufen, Problemlösung und Impulsivität die Funktionsweisen verändert. Die Erkrankung ist genetisch bedingt, das heißt erblich, jedoch beeinflussen auch die Biographie sowie die Umwelt der Betroffenen den Ausprägungsgrad.

Viele Erwachsene mit ADHS nehmen ihre Schwierigkeiten im Alltag wahr. Jedoch ist den wenigsten bewusst, dass diese auf eine ADHS zurückzuführen sind. Die Symptome begleiten sie bereits ihr Leben lang, sie halten es für „normal“. Deswegen ist für die Diagnostik der ADHS ein eingehendes und ausführliches ärztliches Gespräch unentbehrlich. Zusätzlich haben Erwachsene mit ADHS im Laufe ihres Lebens Strategien entwickelt, um einen Teil der Symptome zu kompensieren, welche es aufzudecken und deren Nutzen zu prüfen gilt. Tests und Fragebögen helfen, die Diagnose zu sichern.

Gerne stelle ich Ihnen den von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) entwickelten Fragebogen zur Verfügung, mit dessen Hilfe Sie selbst eine erste Einschätzung Ihrer Symptome vornehmen können. Ich möchte Sie jedoch noch einmal darauf hinweisen, dass der Fragebogen nur hinweisgebend ist. 

Fragebogen ADHS